Sandy Christen legt einen “Kickstart” hin

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Sandy Christen legt einen “Kickstart” hin

Der gebürtig aus Recklinghausen stammende Sänger Sandy Christen ist ein regelrechtes Stehaufmännchen der poppigen, deutschen Unterhaltungsmusik. Er war zeitweise sehr aktiv in der Szene unterwegs, erlebte einige Tiefschläge – doch seine liebe Ehefrau Claudia, mit der er auch sein Lokal „Sandy’s Schlagercafe“ in Monheim am Rhein betreibt, hat ihn mit aller Kraft, mit großem Herzen und viel, viel Liebe bei seinem neu eingeschlagenen Weg menschlich unterstützt.

Der Erfolg war, dass Sandy bald den Pfad zu seinem ehemaligen und nun endlich wieder exklusiven Produzenten Peter Sebastian und dessen Plattenfirma TOI TOI TOI RECORDS aufnahm und sich, von diesem immens unterstützt, seit einiger Zeit wieder voller Power, Vitalität, konsequent und zielstrebig auf die Marschroute zurück in die Oberklasse des einheimischen Musikgeschehens begeben hat.

Und wenn man sich die aktuellen musikalischen Arbeiten des Sandy Christen so anschaut bzw. anhört, ist dies beileibe kein unrealisierbares Wunschdenken. Vielmehr spiegelt sich genau diese Marschrichtung, zurück in die höheren Sphären deutscher Pop/Rock-Musik, in jedem einzelnen Takt, jeder Note, jeder stimmlichen Phrasierung, auf seiner neuen CD „KICKSTART“ eindeutig und unwiderruflich wider.

Der enorm rockige „KICKSTART“ von Sandy Christen beginnt mit einer gleichnamigen, so aufwirbelnden, wie optimistisch in ein neues, besseres, glücklicheres Leben, eben per eines solchen „Kickstarts“, hineinspringenden, bläserbetonten Pop/Rock-Klangorgie, prallgefüllt mit neuem Lebensmut, sprühender Lust und radikaler Offensive!

„Dein Leben ist mein Programm“, geschrieben von Matthias Stingl (Musik) und Jean Thies (Text), und eindeutig und unverblümt SANDYS Gattin Claudia zuerkannt, ist ein krosser, rifflastiger, dabei stets Frohsinn und Optimismus verströmender Pop-Rocker mit ausgeprägtem Hymnen-Flair und hohem Wiedererkennungswert. So richtig hardrockig, drall, unverblümt, nahezu brachial, erklingt daraufhin das ultraflinke Riff-Rock-Konglomerat „Du bist mein Seitensprung“, bei dem die Kunst des perfekten Arrangierens durch „WetCat“-Studiobesitzer Jörg Lamster ganz besonders nachhaltig und impulsiv hervortritt.

Es folgt ein sehr intimes, persönliches Lied des passionierten Motorradfahrers und engagierten Tierschützers, der vieles dessen, was er darin besingt, auch ad Personam durchlebt und durchlitten hat: „Narben auf der Seele“ ist eine extremst authentische und einfühlsame Rockballade. Sie stellt sich im Grunde genommen dar als eine unverblümte Rückschau auf das bisherige Dasein des Künstlers, mit allen seinen Aufs und Abs, mit den dunklen und den hellen Seiten – und dennoch und trotz alledem haben die „Narben auf der Seele“ das Ich, die Persönlichkeit, des Vortragenden deutlich gestählt und gestärkt.

Titel Numero Fünf, „Ich will dich wieder“, gab es schon einmal von Sandy Christen zu hören. Das wehend-sphärische Liebeslied war ehedem ein herausragender Beitrag aus dessen erster Kooperation mit TOI TOI TOI RECORDS, der Longplay-CD „Einmal noch“, die 2008 bei Peter Sebastians Label erschienen war. Anfang 2014 kramte Peter diese weiterhin attraktive und erquickliche, eindringlich vor sich hin schwelgende Synthi-Pop-Nummer hervor und gestaltete daraus einen sog. „Slow to Fast“-Mix. D.h. das Lied beginnt in der neuen Abmischung als stiller, fast nur vom Piano untermalter Schleicher. Nach und nach baut es sich auf zu einer grellen, rhythmisch-tanzbaren Popschlager-Explosion. Dieser Rückgriff ins Archiv und erwähnte aktualisierte Bearbeitung führten übrigens zu diesem neuerlichen kreativen Zusammenwirken von Peter Sebastian und Sandy Christen, die, wie wir hören, mittels hier vorgestellten Albums „KICKSTART“, grandiose, frische, vor Lebenswillen und Lebensfreude nur so überquellende Früchte trägt.

Nun werden mal wieder die Balladenfreunde unter uns zufrieden gestellt: „Ich bin stark, wie nie zuvor“ ist eine weitere realistische, individuelle, sehr zerbrechliche und doch von uns allen nachvollziehbare Sympathieerklärung an einen Menschen, der dem Protagonisten nach einem tiefen Fall mit viel Zuneigung und Fingerspitzengefühl wieder auf die Beine geholfen hat.

Danach genießen wir die erste Vorab-Auskoppelung aus „KICKSTART“, die da heißt „Denn ich lieb‘ Dich“. Sie repräsentiert in lyrischer, wie musikalischer Hinsicht ein nächtlich-melancholisches, dabei äußerst spanungsgeladenes, zutiefst emotionales Großstadtambiente. Im Januar 2015 sorgte dieser prickelnde Titel als erstes Ergebnis der runderneuerten Zusammenarbeit von Sandy Christen und Peter Sebastian für frühzeitige, überaus verheißungsvolle und chancenreiche Furore.

Den nächsten Titel auf „KICKSTART“ kennen wir Schlagerfreunde bereits in der 1991er-Urfassung von Andreas Martin: „Deine Flügel fangen Feuer“, eine schnittige, musikalische Zusammenarbeit des damaligen Interpreten selbst mit dem langjährigen Howard-Carpendale-Intimus Joachim Horn-Bernges, galt vor einem Vierteljahrhundert als frühe Liedperle des aufkeimenden Disco-Fox-Schlagers. Im Jahr 2010 hatte auch Sandy Christen diesen Toptitel in sein Repertoire aufgenommen. 2015 ist der per se allseits geläufige Schlagerklassiker kaum noch wiederzuerkennen: SANDY und sein Produzententeam Sebastian/Lamster erschufen aus der einstmals locker-flockigen Tanzmelodie einen erdigen, phonstarken Gitarren-Bluesrock, voranpreschend, fett und donnernd inszeniert – eine perfekte, ideenreiche Reanimation eines unvergesslichen Evergreens im gleißenden, umgehend mitreißenden Rock-Sound; unerwartet, ungewohnt, aber künstlerisch schier phänomenal ausgetüftelt und umgesetzt. Gleichermaßen als außerordentlich hymnisch, geradlinig und mitsingbar stellt sich daran anschließend der eingängige, rasende Rockschlager „Komm, bedien‘ Dich“ dar.

In straightem, rockigen Klanggewand, auf der grundsoliden Basis lauter, ungeschönter E-Gitarren und eines treibend gedroschenen Schlagzeugs, geht’s auf „KICKSTART“ weiter: „Wie weit ist der Mond (wenn ich träume)?“ ist eine knackig-voranstrebende Gitarrenrock-Auslegung von SANDYS gleichnamiger 2014er-Radiosingle. Diese war seinerzeit noch im rhythmusbetonten Disco-Fox-Modus arrangiert und legt nun, in einem so geradlinigen, wie elektrisierenden Rockgewand, um ein Vielfaches an Charme, Intensität und Originalität zu.
Gedämpft und introvertiert in den Strophen und aufwiegelnd, drastisch und breitflächig im Refrain, zeigt sich das lyrisch sehr philosophisch ausgefallene, klanglich unverkennbar Alternative- und Indie-Rock beeinflusste Gitarreninferno „Heute und Immer“.

Es wird nun mal wieder sanft und gefühlig, aber in einem Atemzug aufrüttelnd und widerspenstig: Der moderne Mid-Tempo-Gitarrenrocker „Tu mir nicht weh“, komponiert von Dirk Schlag und Florian Bratmann, legt zweifellos Zeugnis darüber ab, dass Sandy Christen seine Lektion in Sachen Peter Maffay sehr gut gelernt hat, ohne den großen Rockheroen aus Siebenbürgen jemals platt zu kopieren. Sogleich darauf offeriert Sandy Christen seinen Fans mittels des offensiven Gefühlschaos‘ „Schwindelfrei“ knochentrockenen, dreschenden, sacht US-amerikanisch anmutenden Bluesrock ohne Schnörkel und unnötige Effekthascherei.

Es folgen zwei bereits aus SANDYS TOI TOI TOI-Debüt „Einmal noch“ bekannte Titel, die er und sein Team 2015 markig und urwüchsig durch den gitarrenorientierten Hardrock-Wolf gedreht und dadurch mit derben, kernigen Rockuntertönen schnurstracks und schonungslos verfeinert haben. Dabei handelt es sich um den hochmelodischen Romantikpopper „Mit Dir noch mal zum Himmel und den einstigen Disco-Fox „Verdammt noch mal“, die mit gröberem Schlagzeug, harschen, rauen E-Gitarren unterlegt und somit profund und grundlegend aufgehübscht und (im positivsten Sinne des Wortes) aufgedonnert wurden und nun in gänzlich neuem Glanz erstrahlen.

Vier Bonus-Tracks beschließen die faszinierende Songkollektion von Sandy ChristenS so abwechslungsreichem, wie durchwegs ergreifenden und real packenden, neuen CD-Opus: Dies sind rhythmisch aufgepeppte „Danny-Top“-Mixe der Neuversion von „Deine Flügel fangen Feuer“, der „Slow to Fast“-Auslegung von „Ich will Dich wieder“, von SANDYS fröhlichem Powerpop-Ohrwurm „Dein Leben ist mein Programm“ und natürlich des brodelnden, knalligen Titelsongs „Kickstart“, welche die Disc-Jockeys dieser Republik in hellste Verzückung versetzen dürften!

Vorliegendes Album beweist unüberhörbar, dass in Sandy Christen nun der Rocker erwacht zu sein scheint. Ohne seine stilistische Vergangenheit im Schlager-, Pop- und Fox-Kontext zu verleugnen, gelingt SANDY ein wahrhaftiger „KICKSTART“, um all die neuen stilistischen Ufer mit Bravour zu entern und entsprechend kreativ, ausgiebig und mit viel Gefühl stimmlich zu beackern und mit Leben zu füllen. „KICKSTART“ ist ob seiner überbordenden, schöpferischen Dichte, seiner inneren Geschlossenheit, und natürlich der lebenserfahrenen stimmlichen Umsetzung des hervorragenden Liedmaterials durch Sandy Christen bereits jetzt als fundamentaler Deutsch-Rock-Höhepunkt des Jahres 2015 (und darüber hinaus) einzuordnen! (Geschrieben von Holger Stürenburg)

Quelle: TOI TOI TOI-RECORDS

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